„Staat darf Probleme nicht noch verschärfen – mittelständische Industrie und Investitionen in Deutschland sind infrage gestellt“

Fünf Zuliefererverbände richten Appell an alle neuen Bundestagsabgeordneten

HAGEN – 02. Dez. 2021. „Die mittelständische Industrie als Innovationsmotor am Standort Deutschland, ihre Arbeitsplätze und der Wohlstand sind infrage gestellt. Der Staat darf die existenzgefährdenden Probleme nicht noch verschärfen, sondern muss Raum für unternehmerisches Handeln geben.“ Diesen Appell haben fünf Industrieverbände gerade an alle Abgeordneten des neuen Bundestags geschickt. Unterzeichner sind der Industrieverband Blechumformung (IBU), der Industrieverband Massivumformung (IMU), die Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK), der Deutsche Schraubenverband (DSV) und der Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien (FMI). „Die politischen Vertreter müssen die Probleme unserer Industrien kennen und sollen diese in die politische Abwägung einbringen“, unterstreichen die Organisationen und fordern ein gemeinsames Schultern aktueller Mehrbelastungen entlang der Lieferkette.

Steigende Kosten in der Lieferkette weitergeben
Die gefährliche Kombination aus gestiegenen Materialpreisen und mangel, Produktionseinschränkungen, wachsenden Energiekosten, Steuerbelastungen und Klimaanforderungen bringt Automobilzulieferer – und zunehmend weitere Branchen – ins Straucheln. „Betroffene müssen steigende Kosten in der Lieferkette geltend machen können“, betont IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs. Auch die monatelange Vorfinanzierung von verteuertem Vormaterial bis zur nächsten Preisverhandlungsrunde sei kaum mehr leistbar. Steigende Stahlpreise treffen den Zulieferer aufgrund seines höheren Bedarfs viel stärker als Automobilhersteller und Systemlieferanten. Ein Anstieg um 50 Prozent führt bei Zulieferern zu 20 Prozent Mehrkosten, während es beim Hersteller nur zwei bis fünf Prozent sind. Hinzu kommt die niedrigere Gewinnmarge von etwa zwei bis drei Prozent bei Zulieferunternehmen – beim OEMs liegt sie bei rund 20 Prozent. 

Materialimporte erleichtern
Wichtig für Stahlverarbeiter ist auch, dass die Politik Stahlimporte aus Drittländern wieder erleichtert und Einfuhreinschränkungen abbaut – Stichwort Safeguards. Das ermöglicht wieder einen Wettbewerb und verbessert die Versorgungslage.

Energie- und Steuerkosten deckeln
Mit Blick auf extreme Energie- und Logistikkosten fordern die Verbände staatliche Unterstützung. DSV-Geschäftsführer Hans Führlbeck: „Es ist überlebenswichtig, dass die Politik Energiekosten deckelt und Steuern reduziert. Alles andere führt zu wettbewerblichen Verzerrungen innerhalb der EU.“ Das fördere Investitionsentscheidungen Richtung Ausland und gefährde den Standort Deutschland. „Verlierer wären die Belegschaften“, unterstreicht Werner Liebmann vom FMI.

Klimapolitik mittelstandsfreundlich gestalten
Klimavorschriften sollen mittelstandsfreundlicher werden. Die Fachverbände wünschen eine technikoffene Förderung von klimabezogenen Maßnahmen und ein Ende der einseitigen Diskussion über CO2-Verursacher: „Sie reduziert sich auf Verbrenner- bzw. Elektroantriebe und lässt andere CO2-Emittenten außen vor“, so IMU-Geschäftsführer Tobias Hain. Ein vorausschauender Blick auf die Konsequenzen ist auch bei den Green Deals und Klimazöllen gefragt: „Die Verantwortlichen müssen die gesamte Wertschöpfungskette – einschließlich der Stahlverarbeiter – berücksichtigen“, erklärt Martin Kunkel von der FVK.

Appell an 736 Bundestagsabgeordnete – Verbände gesprächsbereit
Der Appell ging schriftlich an alle derzeit 736 Mitglieder des neuen Bundestags. „Wir stehen jederzeit in Berlin oder vor Ort in den Wahlkreisen zum Gespräch zur Verfügung“, unterstreichen die Branchenvertreter. Im neuen Koalitionsvertrag der Ampel steht der Satz „Unsere Wirtschaftspolitik setzt auf zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für einen wettbewerbsfähigen Mittelstand“ – dieses Versprechen gilt es nun einzulösen. 

Text 3.711 Z. inkl. Leerz.


KURZPROFIL: Industrieverband Blechumformung e.V. (IBU) 

Der IBU in Hagen vertritt als Bundesverband circa 240 Mitgliedsunternehmen der blechumformenden Industrie und deren Zulieferer. Diese überwiegend aus mittelständischen Familienunternehmen bestehende Branche wird durch eine industrielle Fertigung für marktmächtige Kunden geprägt. Das Umsatzvolumen der Branche betrug im Jahr 2020 rund 17,41 Milliarden Euro. Die Verbandsmitglieder sind mehrheitlich Zulieferer der Automobil- und Elektronikindustrie, des Maschinen- und Anlagenbaus, der Möbel- und Bauindustrie sowie der Medizintechnik.

Ansprechpartner:

Geschäftsführer Bernhard Jacobs

fon.: +49 (0) 23 31 95 88 19 oder 95 88 56, fax: +49 2331 - 95 87 56

info@industrieverband-blechumformung.de., www.industrieverband-blechumformung.de


KURZPROFIL: Industrieverband Massivumformung e. V. (IMU)

Der Industrieverband Massivumformung ist der deutsche Fachverband der Branche. 250 Unternehmen betreiben Massivumformung in Deutschland. Gemeinsam bilden sie einen starken Wirtschaftsfaktor: 3 Millionen Tonnen Material verändern ihre Form beim Gesenkschmieden, Kaltfließpressen, Freiformschmieden und Ringwalzen. Massivumformung ist vor Ort: In vielen Regionen Deutschlands und damit im direkten Umfeld entstehen so hochwertige Produkte im Gesamtwert von jährlich 9 Milliarden Euro. Damit ist Deutschland in dieser wichtigen Industriesparte der Marktführer Europas und die Nummer 2 weltweit.

Ansprechpartner: 

Geschäftsführer Tobias Hain

fon +49 2331 95880, fax: +49 2331 51046

info@massivumformung.de, www.massivumformung.de


KURZPROFIL: Fachvereinigung Kaltwalzwerke e. V.

Die Fachvereinigung Kaltwalzwerke e. V. (FVK) ist der deutsche Fachverband der Hersteller von kaltgewalzten Bandstählen in allen Ausführungen, vergütbar, vergütet oder oberflächenveredelt. Die deutsche Kaltwalzindustrie ist ausgesprochen mittelständisch geprägt und hat ca. 6.500 Beschäftigte. Kaltband wird vielfältig eingesetzt: Automobilindustrie, Elektro, Eisen-, Blech- und Metallverarbeitung, Feinmechanik, Rohre, Kaltprofile, Möbel, Haushaltsgeräte und vieles mehr. 

Ansprechpartner:

Geschäftsführer RA Martin Kunkel

fon + 49 (0) 211 4564-121, fax: + 49 (0) 211 4564-122, mobil + 49 (0) 172 2164344

kunkel@fv-kaltwalzwerke.de, www.fv-kaltwalzwerke.de


KURZPROFIL: Deutscher Schraubenverband e.V.

Der Deutsche Schraubenverband e.V. in Hagen vertritt die Interessen der deutschen Schrauben-, Muttern- und Nietehersteller. Dem Verband gehören 53 mittelständisch geprägte Produktionsunternehmen an. Daneben bilden 75 assoziierte Mitgliedsfirmen die gesamte Prozesskette im Rahmen der Herstellung mechanischer Verbindungselemente ab. Die Verbandsunternehmen erwirtschaften ein jährliches Umsatzvolumen von ca. 1,8 Mrd. Euro und verarbeiten über 500.000 Tonnen Walzdraht p. a. Schrauben, Muttern und Niete werden in fast allen Bereichen der industriellen Fertigung von Wirtschaftsgütern eingesetzt. Mit seiner Schraubfachakademie bietet der Deutsche Schraubenverband e.V. eine anerkannte Weiterbildung zum Schraubfachtechniker (DSV)® und Schraubfachingenieur (DSV)® an.

Ansprechpartner: 

Geschäftsführer Hans Führlbeck, Dr. Stefan Beyer

fon: +49 2331 9588-11, fax +49 2331 9587-48

info@schraubenverband.de, www.schraubenverband.de


KURZPROFIL: Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien (FMI) e.V.

Der Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien (FMI) e.V. ist ein Industrieverband von Herstellerfirmen mit Sitz in Düsseldorf und repräsentiert mehr als 250 mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, die in verschiedenen Fachabteilungen organisiert sind.

Die Mitgliedschaft im FMI bindet kleine Familienbetriebe ebenso ein, wie global agierende Unternehmen.

Die meisten der Mitglieder haben ihren Sitz in Deutschland- aber auch Unternehmen aus Belgien, Italien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz sind Mitglied im FMI.

Die Zulieferthemen werden von den FMI-Fachabteilungen „Verband der Deutschen Drehteile-Industrie“ und „Herstellervereinigung Industrieschilder“ vertreten. Die hier angeschlossenen 120 Zulieferunternehmen erwirtschaften ein Umsatzvolumen von mehr als 2,2 Mrd. Euro und repräsentieren über 16.000 Beschäftigte. Pro Jahr werden von diesen Unternehmen mehr als 400.000 Tonnen Stahl und mehr als 40.000 Tonnen NE-Metalle verarbeitet.

Ansprechpartner:

Geschäftsführer Werner Liebmann

Fon: +49 (0) 211 577391-15, fax: +49 (0) 211 577391-20

info@fmi.de, www.fmi.de